Unsere Position

Das Engagement von medico international im Nahen Osten

Der Nahe Osten – Libanon, Israel und Palästina – gehört zu den ältesten Projektregionen von medico international.

In Israel und Palästina arbeiten wir schon lange mit palästinensischen Gesundheitsorganisationen zusammen: auf der Westbank, aber auch im Gazastreifen. Hinzugekommen sind immer mehr israelische Organisationen, die den Brückenschlag zu arabischen Partnern suchen. Sie alle sind überkonfessionell und stehen in ihrer Arbeit für eine friedliche und demokratische Perspektive dieser leidgeprüften Region.

Unter dem Titel „Zeichen paradoxer Hoffnung“ rief medico international 2002 gemeinsam mit Intellektuellen zur Einrichtung eines Fonds auf, der zivilgesellschaftliche Initiativen in Israel und Palästina unterstützt. Gefördert werden seitdem Projekte, die sich in ihrer alltäglichen Arbeit der zunehmenden Verfeindung zwischen Israelis und Palästinensern entgegenstellen und so für die demokratische Ausgestaltung ihrer Gesellschaften streiten. Gerade heute ist die Unterstützung dieser Initiativen wichtiger denn je.

Israelis und Palästinenser leiden unter der unmittelbaren Gewalt von militärischen Operationen und von Terroranschlägen und zugleich unter der Gewalt einer bereits seit Jahren herrschenden und letztlich beide Gesellschaften in Mitleidenschaft ziehenden militärischen Besetzung der palästinensischen Gebiete. Die Menschen beider Gesellschaften - in Palästina, wie auch in Israel - werden insofern zu Opfern eines Konfliktes, der sie längst zu seinen Gefangenen gemacht hat, eingeschlossen in die ungleichen Positionen und Rollen, die die gegebenen Machtverhältnisse ihnen zuweisen.

Die Arbeit von medico im Libanon begann 1982 mit Nothilfe nach den Massakern in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Shatila. Diese erste medizinische Katastrophenhilfe für die überlebenden Opfer der Grausamkeiten in Sabra und Shatila ging bewusst über in eine mehrjährige Partnerschaft mit der progressiven libanesischen Hilfsorganisation AMEL. Neben der Verbesserung der Situation der palästinensischen Flüchtlinge, sollte die Hilfe ungeschmälert auch den libanesischen Opfern des Bürgerkrieges zugute kommen.

In den 90er Jahren begann medico mit der Unterstützung kleiner palästinensischer Hilfsorganisationen. Diesen Hilfswerken kommt für die Selbstorganisation der Flüchtlinge und im Kampf für deren soziale Rechte eine große Bedeutung zu. Mutig und wirkungsvoll setzen sie sich für die Flüchtlinge ein und bestehen darauf, dass das Recht auf Frieden nicht geteilt werden darf.

Alle palästinensischen medico-Partner im Libanon verstehen ihre Arbeit als politischen Beitrag zur Weiterentwicklung der eigenen Gesellschaft. Dabei müssen sie sich auch einer zunehmenden Islamisierung innerhalb der palästinensischen Flüchtlings-Community erwehren, die nicht zuletzt auch der Vernachlässigung der "Flüchtlingsfrage" in den "Oslo-Verträgen" geschuldet ist. So konkurrieren beispielsweise die pädagogisch freieren Konzepte der laizistischen Kindergärten unserer Partner mit den stärker leistungsorientierten Einrichtungen der religiösen Organisationen. Unsere Partner widersetzen sich dem Anwachsen religiöser Strömungen und setzen weiterhin etwa auf gemischtgeschlechtliche Kindererziehung, Jugendarbeit und Berufsausbildung.

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