medico international

08.04.2008

Konfliktursachen

Rohstoffhandel und Krieg in Afrika (2)

  • Einseitige Rohstoffabhängigkeit und starke Exportorientierung machen es Bürgerkriegsparteien leicht, ihre Kriege zu finanzieren.

  • Konflikte in einem Staat können für den Nachbarstaat zentrale Auswirkungen haben. So interveniert z.B. ein Staat im anderen, um eine Rebellengruppe anzugreifen, die sich dort zurückgezogen hat. Darüber hinaus gibt es zahlreiche zwischenstaatliche Verbindungen zum Handel mit Waffen und Rohstoffen. Es findet also eine Regionalisierung der Konflikte statt.

  • Ökonomische und soziale Ungleichheiten zwischen Gruppen – seien sie nach Region, Ethnie (1), Klasse oder Religion unterschieden – können zu kriegerischen Auseinandersetzungen führen. Ungleichbehandlungen können sich z.B. bei Land- oder Schürfrechten, beim Zugang zu öffentlichen Ämtern oder Förderung bzw. Unterdrückung der Sprache äußern.

  • Das persönliche Profitinteresse der kriegsführenden Parteien führt zu einer Privatisierung des Krieges: im Zentrum stehen seltener politische Interessen, sondern die persönliche Bereicherung der Warlords. Verstärkt wird dieses Phänomen zudem durch ein Engagement privater Sicherheitsfirmen, die z.T. eng mit rohstofffördernden Unternehmen zusammenarbeiten.

  • Korrupte Regierungen als Folge des Kalten Krieges und postkolonialer Einflüsse unterdrücken einerseits brutal die Bevölkerung des Landes, andererseits schaffen sie sich ein Netz von finanziell Bevorzugten. Die Bevölkerung verbindet mit Regierung und Staat auf Grund der Bereicherungen und Willkür wenig politische Hoffnungen. Es fehlt dem Staat an Legitimierung. Deswegen muss er seine Macht durch Gewalt halten. Die Balance aus Bevorzugung und Gewalt ist instabil und kann leicht in Bürgerkrieg münden.

  • Über den internationalen globalisierten Markt haben die kriegsführenden Parteien gute Chancen, die von ihnen kontrollierten Rohstoffe abzusetzen und damit ihre Kriege zu finanzieren. So ermöglichten beispielsweise westliche Ölkonzerne die Weiterführung des Krieges in Angola, weil sie auch in Bürgerkriegszeiten Öl förderten und damit der angolanischen Regierung die nötige Liquidität verschafften.

(1) »Ethnische« Kriterien können bei Konflikten eine wichtige Rolle einnehmen. Der Begriff unterstellt jedoch naturgegebene Gruppen. Dabei bleibt unberücksichtigt, dass die Unterteilung in »Ethnien« häufig erst durch die Kolonialmächte oder Missionare vorgenommen wurde. Diese bevorzugten oder benachteiligten bestimmte Gruppen, um mit dieser »teile und herrsche Politik« ihren Einfluss auszubauen. Damit ist der Begriff eng mit ökonomischen und sozialen Bedingungen verwoben.

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