Es ist höchste Zeit, die Voraussetzungen für den Abzug der Bundeswehr zu schaffen. Angesichts des offenkundigen Scheiterns des militärischen Engagements in Afghanistan verbietet sich ein "Weiter so!". Die Entscheidung für den Rückzug muss heute getroffen werden.
Acht Jahre nach Entsendung der Bundeswehr ist der Frieden in Afghanistan in weite Ferne gerückt. Landesweit eskaliert ein Krieg, dessen Leidtragende vor allem diejenigen sind, in deren Namen die Intervention begründet wurde. Auf alarmierende Weise steigt die Zahl der zivilen Opfer an. Mit jeder Bombe, die heute fällt, stirbt auch die Hoffnung auf Wiederaufbau und Entwicklung. Nicht Demokratie und Wohlstand hat die Intervention den Menschen in Afghanistan gebracht, sondern Armut, Willkür und Gewalt.
Die Enttäuschung der afghanischen Bevölkerung ist groß; der Westen und die von ihm gestützte Karsai-Regierung haben sich zunehmend diskreditiert. Kinder, die den Soldaten anfangs zugewinkt haben, bewerfen diese heute mit Steinen. Bei ihrer Vertreibung hatte kaum jemand den Taliban nachgeweint, heute ist es gerade die militärische Absicherung eines korrupten und von Warlords und Kriegsverbrechern dominierten Staatsapparats, die die Menschen wieder in die Hände der Terroristen und Aufständischen treibt. Weil der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben wurde, war die Intervention von Anfang an falsch angelegt.
Es ist höchste Zeit zur Umkehr. Gefordert ist eine Politik, die die Logik des Kriegs durchbricht. Notwendig ist ein umfassender Strategiewechsel, der zwar unterdessen von vielen gefordert wird, aber so lange nicht gelingen kann, wie die Alternativen selbst immer wieder in den Strudel des militärischen Scheiterns hineingezogen werden. Ohne Disengagement und Einleitung des Rückzugs der Nato-Truppen hat Frieden in Afghanistan keine Chance. Gefordert sind nicht zuletzt die Vereinten Nationen. Es gilt, einen Plan vorzulegen, wie den menschlichen Sicherheitsbedürfnissen der Afghaninnen und Afghanen jenseits einer von der Nato geführten Intervention entsprochen werden kann.
Erschien in der taz vom 12.09.2009, taz - Raus aus Afghanistan?
Veröffentlicht von Thomas Gebauer am 12.09.2009 | 0 Kommentare
