Nicht überall wird man alt: Wer arm ist stirbt noch immer früher!

Anmerkungen zum Weltgesundheitstag (7.4.2012)

04.04.2012   Lesezeit: 2 min

Unter dem Titel "Altern und Gesundheit – Gesundheit erfüllt die Jahre mit Leben" setzt sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in diesem Jahr für eine gesunde Lebenswelt für die alternde Bevölkerung ein. In vielen der medico-Partnerländer wird das Straßenbild jedoch nicht von älteren Menschen geprägt. So ist die durchschnittliche Lebenserwartung in Sierra Leone gerade mal 47 Jahre - in Deutschland jedoch 80".

Während in Deutschland von demographischem Wandel und Überalterung gesprochen, liegt in großen Teilen der Welt die Lebenserwartung noch immer unter 50 Jahren.

Auch 10 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs belegt das extrem arme Land den Rang 180 des Index für Menschliche Entwicklung – von 187 untersuchten Ländern! Diese drastischen Zahlen liegen nicht zuletzt an den miserablen Arbeitsbedingungen in den Diamantenminen internationaler Konzerne und den Folgen für die Umwelt durch den Abbau des hochbegehrten Materials. medico international unterstützt in Sierra Leone eine Organisation, die sich auch als Teil des People’s Health Movement versteht, und sich mit Aufklärungs- und Lobbyarbeit für das Recht auf Gesundheit und einen verantwortungsbewussteren Umgang mit den natürlichen Ressourcen des Landes einsetzt.

Die massive Ungleichverteilung von gesundheitsschädlichen Faktoren weltweit, welche dazu führt, dass ein Kind in Sierra Leone im Durchschnitt 33 Jahre früher stirbt als in Deutschland "ist kein natürliches Phänomen", schrieb schon die WHO-Kommission für die sozialen Determinanten der Gesundheit in ihrem Abschlussbericht im Jahr 2008: "Es ist das Ergebnis einer toxischen Kombination aus dürftigen sozialpolitischen Maßnahmen, unfairen wirtschaftlichen Arrangements und schlechter Politik (...) Soziale Ungerechtigkeit tötet Menschen im großen Maßstab", so die Kommission unter der Leitung von Prof. Michael Marmot weiter.

Die von der WHO veröffentlichte Grafik "Global ageing trends" zeigt zudem noch etwas anderes. In vielen Ländern Afrikas ist selbst die Prognose für das Jahr 2050 schlecht. Die Lebenserwartung erhöht sich nicht, sondern stagniert oder geht sogar zurück. Ähnliches zeigt sich auch in Deutschland: Wer ärmer ist stirbt früher! Trotz zunehmendem Reichtum geht die Lebenserwartung der Geringverdiener sogar eher zurück.


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